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Stadt Panorama | Moers | Moerser Kindertafel passt in die Zeit

Moers
- Die Wirtschaftskrise erreicht Deutschland. Im Schatten der großen Schlagzeilen geht dabei so manches kleine Schicksal unter, auch in Moers.

Aufmerksamen Bürgern ist aber auch in der Grafenstadt längst klar: Die Not ist vielfach groß, sogar bei Kindern. Das schreckte die Moerserin Heike Marschmann auf. Sie entschloss sich im Frühjahr, aktive Hilfe zu organisieren und die erste Moerser Kindertafel zu gründen. Die ist im Stadtteil Vinn mittlerweile zu einer gut besuchten Institution geworden. Hier engagieren sich ehrenamtliche Helfer wie Profi-Köche bekannter regionaler Restaurants. „Jeden Donnerstag bekommen bedürftige Kinder so eine leckere, warme Mahlzeit“, berichtet Heike Marschmann von einem erfolgreichen Start der Kindertafel. „Das macht uns Mut, das Angebot noch auszuweiten.“
Die Initialzündung bekam die dreifache Mutter Heike Marschmann bereits während der Grundschulzeit ihres jüngsten Sohnes. „Hier fiel mir ein Kind auf, das aus Geldmangel kein Mittagsessen bekam.“ Fortan reifte die Idee der aktiven Hilfe. Mit Gleichgesinnten setzte sie die Idee um. Über Mund-zu-Mund-Propaganda und erste Medienberichte fand sie schnell weitere Verbündete. Von der Welle der Hilfsbereitschaft der Moerser Bürger war sie dennoch überrascht. Der Idee folgten schnell Taten. Rund 30 ehrenamtliche Helfer packen heute bereits an.
Auch Unternehmen sind dabei: Die Caritas stellt mit dem ehemaligem Pfarrheim kostengünstig eine gut zu erreichende Anlaufstelle, Getränkehändler und Privatleute helfen den Durst zu löschen und renommierte lokale Köche kochen einmal wöchentlich für die Kinder. Auch die Moerser Erwachsenentafel ist dabei und übernimmt den Transfer der Speisen. Deren Vorsitzender Horst Günter Schürings begrüßt die Kindertafel ausdrücklich: „Unsere Organisation erreicht hunderte Menschen, jedoch nicht die Alleinerziehenden oder junge bedürf-tige Familien und deren Kinder. Die halten sich fern vom schwierigen Tafelpublikum mit seinen Drogen- und Alkoholproblemen.“
So ist aus der Ursprungsidee mittlerweile eine Welle der Solidarität geworden. Bis zu 20 Kinder im Alter von drei bis achtzehn Jahren besuchen das ehemalige Pfarrheim in der Leibnizstraße 37 donnerstags von 13 bis 16 Uhr. Das ermutigt Heike Marschmann und ihre Mitstreiter, für den weiteren Ausbau ihrer Idee zu kämpfen. „Unsere Vision ist es, vielleicht einmal eine Wandertafel einzurichten, jeden Tag in einem anderen Stadtteil zu sein. Dazu brauchen wir allerdings weitere Kooperationspartner, Räume und Finanzmittel.“
Wer sich engagieren möchte, sollte Heike Marschmann daher von dienstags bis donnerstags unter Ruf: 0177/7810317 informieren.

Donnerstag startet die Kindertafel

NRZ | Moers | 19.05.2009 | Michael PASSON

Geschützter Vertrauensraum ohne Schaulustige. Alle Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 18 Jahren sind willkommen.

Moers. Donnerstag ist es soweit. Dann öffnet die erste Moerser Kindertafel ihre Pforten. Und spätestens dann ist das Kooperationsprojekt des Vereins „Klartext für Kinder - Aktiv gegen Kinderarmut!”, der Moerser Tafel und der Caritas ein geschützter Raum. Speisen in einer angenehmen Atmosphäre, ohne Schaulustige.

Um 13 Uhr geht's los, bis 15 Uhr wartet das kleine Betreuungsteam um Heike Marschmann auf die kleinen Gäste. Das Essen wird angeliefert von der Moerser Tafel, zum Auftakt zubereitet von Frank Bohnen (Viktoriastube in Scherpenberg), einem von insgesamt sechs bekannten Köchen aus den wir 4-Städten. Jeden Donnerstag wechseln sich er, die Brüder Honnen (Orsoyer Berg), Dirk Mensel (Averdunkshof) Wolfgang Labudda (Wellings Parkhotel) und Peter Waldmann (Linde) ab. Kochen vitaminreich und schmackhaft, auch muslimische Kinder können bedenkenlos teilnehmen. Ein Schnitzel zum Beispiel wird von der Pute sein, die Frikadelle vom Rind.

Heike Marschmann freut sich schon: „Wir hoffen, dass sich möglichst viele Kinder hertrauen. Wichtig ist, Vertrauen zu schaffen.” Darum ist nur willkommen, wer an der Kindertafel essen möchte. Davon allerdings jeder zwischen 3 und 18 Jahren. Bei Kindern, die noch zu klein, wird auch die Betreuungsperson verpflegt. Marschmann sagt: „Es geht außerdem nicht nur ums Essen. Auch um nette Gespräche. Natürlich nur für den, wer auch reden will.”

Zu finden ist die Kindertafel ganz einfach. Wer die Humboldtstraße in Vinn befährt biegt einfach an den weißen Riesen ein und findet nach etwa 200 Metern linker Hand den katholischen Kindergarten. Daneben das Josefshaus und damit auch die Tafel.

Wir unterstützen "Klartext für Kinder e.V."

„Klartext für Kinder”, Moerser Tafel, Caritas und hiesige Gastronomen starten in Vinn ein wichtiges Projekt.

Moers.
Es sind diese Bilder, die antreiben. Wenn Knirpse, deren Eltern das Mittagessen in Kindergarten und Schule nicht bezahlen können oder wollen, sich gierig über die Reste hermachen. Wenn kleine Mädchen sich bis zum Nachmittag mit einer Scheibe Toast durchschlagen müssen oder Jugendliche bis Monatsmitte zuhause Pommesgeld kriegen, dann gar nichts mehr. Der von der NRZ initiierte Verein „Klartext für Kinder - Aktiv gegen Kinderarmut”, die Moerser Tafel und die Caritas arbeiten an der ersten Moerser Kindertafel. Am 21. Mai, Christi Himmelfahrt, soll sie öffnen.

Eine neue Qualität

Nach dem „Täfelchen” an der Niederrheinschule in Kamp-Lintfort und dem Mittagstisch im Treff 55 nimmt der Verein das nächste Ernährungsprojekt für bedürftige junge Menschen in Angriff. Mit einer neuen Qualität. „Bislang standen wir Pate, haben die Finanzierung sichergestellt”, erklärt der Vorsitzende Reinhard Rosemann, „diesmal schaffen wir etwas völlig Neues.” Und zwar in Moers-Vinn, im ehemaligen Pfarrheim an der Leibnizstraße, direkt neben dem katholischen Kindergarten St. Josef. Es ist die etwas andere Philosophie: Eine Kindertafel muss nicht im Brennpunkt liegen, sondern gut zu erreichen sein. Der citynahe Standort Vinn bietet auch einen gewissen anonymen Schutz.

(Text entnommen aus dem Online-Angebot der NRZ)

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